Erfolgreich abgeschlossen!
„Europa ist ein facettenreicher, farbenprächtiger Flickenteppich, der nirgends auf Erden seinesgleichen findet.“ Auf diese treffende Weise hat der britische Historiker Timothy Garton Ash einmal den Alten Kontinent charakterisiert. Europa kann aber auch als Summe seiner Kulturen und deren Geschichte und damit zugleich als neues Ganzes beschrieben, geschrieben und dargestellt werden, eine Tatsache, die zukünftig noch stärker als bisher als unser gemeinsames Erbe begriffen werden sollte. Bei der Entwicklung multiperspektivischer Darstellungsweisen dieser gemeinsamen Geschichte stehen die Museen, Gedenkstätten und Forschungseinrichtungen vor der großen Aufgabe, die Nahtstellen, Kontraste und Ähnlichkeiten dieses „Flickenteppichs“ erfahrbar werden zu lassen.
Wie können Museen, Gedenkstätten, Archive und Forschungseinrichtungen einen Beitrag dazu leisten, dass das Geschichtsbewusstsein auch die grenzüberschreitenden historischen Beziehungen wahrnimmt? Wie kann die europäische Geschichte in Ausstellungen wissenschaftlich begründet, ethisch angemessen und pädagogisch wirkungsvoll vermittelt werden? Mit diesem Anliegen hatte die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ im Jahr 2005 zusammen mit dem Deutschen Museumsbund und ICOM Deutschland das „Internationale Stipendienprogramm zur Geschichte des 20. Jahrhunderts“ ins Leben gerufen.
Das auf drei Jahre angelegte Programm ermöglichte jüngeren Mitarbeiter/innen und wissenschaftlichen Volontär/innen an deutschen, europäischen sowie israelischen Einrichtungen Arbeitsaufenthalte an historischen Orten, Museen, Gedenkstätten und Archiven. Die geförderten Projekte dienten der Erforschung und Dokumentation der Geschichte demokratischer und antidemokratischer Bewegungen im 20. Jahrhundert – insbesondere von Diktatur- und Besatzungserfahrungen und des Holocausts.
Die am 13. und 14. März 2008 im Deutschen Historisches Museum in Berlin durchgeführte Abschlussveranstaltung des Internationalen Stipendienprogramms fand unter Beteiligung von Stipendiaten und Vertretern aus den deutschen geförderten Institutionen sowie aus den jeweiligen Partnerinstitutionen des Auslands – wie z. B. Israel, Polen, Serbien, Russland, Ukraine und Belarus – statt. Neben der Präsentation einer Auswahl geförderter Projekte wurden im Rahmen des Kolloquiums die zunehmende Bedeutung und Verwendung neuer Medien in Ausstellungen, die Möglichkeiten der multiperspektivischen Betrachtung musealer Darstellungen – z. B. Opfer- versus Täterperspektive – und die Unterschiede in den verschiedenen nationalen Geschichtsdarstellungen und -interpretationen diskutiert. Das Kolloquium diente vor allem aber dem Austausch von Erfahrungen und der Stärkung von Netzwerken, die die Grundlage für gemeinschaftliche Folgeprojekte bilden oder Anstoß für weitere Kooperationen geben können.
Unser Dank gilt der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, die sich neben der humanitären Hilfe für die noch lebenden Opfer des Nationalsozialismus, auch die Unterstützung internationaler Initiativen für Demokratie und Menschenrechte und die Förderung von Projekten zur Auseinandersetzung mit der Geschichte zum Ziel gesetzt und die die Mittel für das Internationale Stipendienprogramm bereitgestellt hat.
Nähere Informationen zu dem Programm, den geförderten Projekten und den Ergebnissen finden Sie unter >> www.austausch-museen.de
Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft
>> Webseite Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft