Vorträge

Prof. Dr. Beate Reifenscheid-Ronnisch

Global Player – Private Collectors. Industrielle und ihre Sammlungen für die Öffentlichkeit

Nach den Napoleonischen Kriegen werden infolge des erstarkten Bürgertums zahlreich royale und kirchliche Sammlungen für die Allgemeinheit geöffnet. Im 20. Jahrhundert, insbesondere nach 1945, entstehen bedeutende private Sammlungen, die ihrerseits der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Motor dieser neuen Entwicklungen sind vielfach Industrielle, die neben der Produktion von Handelsgütern ihre Leidenschaft für die Kunst entdeckte haben: Sammler wie die Schokoladenfabrikanten Peter und Irene Ludwig, der Schraubenhersteller Reinhold Würth, der Unternehmer Christian Flick, die Inhaberin der Ritter-Schokolade Marli Hoppe-Ritter u. a. erweisen sich gleichsam in zwei Bereichen als Strategen: originär für ihr Industrieunternehmen sowie hinsichtlich ihres Sammlungsaufbaus. Sehr bald erweisen sie sich als Impulsgeber für die Gesellschaft, die Museumslandschaft und für den Kunstmarkt. Daraus entstanden in den letzten Jahrzehnten enorm dynamische Prozesse, die vor allem die zeitgenössische Kunst erfasst haben und beeinflussten. Häufig genug treten diese Privatmuseen sogar in Konkurrenz zu den staatlichen oder kommunalen Institutionen, denn sie verfügen über bessere finanzielle für Ankäufe und Unterhaltung der Institution wie über personelle Mittel.