Programm

Internationales Bodensee-Symposium von ICOM Deutschland, ICOM Schweiz und ICOM Österreich

Museum ausreichend – Die „untere Grenze“ der Museumsdefinition

Sowohl in den Massenmedien als auch in den Selbstdarstellungen von Museen überwiegen Berichte, die das besonders gut Gelungene, das Spektaku­läre herausstellen: ein Aufsehen erregender Neubau, eine sensationelle Neu­erwerbung, lange Warte­schlangen vor einer innovativen Wechselausstellung. Auszeichnungen und Gütesiegel haben dieselbe Tendenz, Spitzenleistungen und „Best Practice“ bekannt zu machen. Gespräche unter Museumsfachleuten kreisen oftmals um das genaue Gegenteil: Kernthemen sind hier z.B. die politische Fürsprache für Museen ohne Sammlungen, katastrophale konservato­rische Bedingungen in einem teuren Neubau, Museumsinhalte ohne jeden Ansatz­punkt für Forschung, multimediale Dauerausstellungen, die weder Musealien noch irgendein Vermittlungsangebot zu benötigen scheinen.

Das Bodensee-Symposium 2018 stellt Fragen, die sich zwischen diesen Extrempolen von Jubel und Jammer bewegen: Ist in Museen alles möglich, was gefällt und finanziert wird, oder nicht? Gibt es Wissensbestände und Leistungen, die man von jedem Museum erwarten darf – ganz gleich, wer der Eigentümer ist, welche Aufgaben das Museum erfüllt, wie viel Kapital und Personal zur Verfügung stehen?

Viele Museen klagen über mangelnde Ressourcen und über steigende Ansprüche des Publikums wie auch der Rechtsträger. Nur wenige Museen können die Spitze des Machbaren erreichen; viel wichtiger ist der Konsens, was auf welchem minimalen Niveau von allen Museen erwartet werden kann: Wie viele Dinge muss eine Sammlung mindestens haben? Was ist der in allen Museen erreichbare Mindeststandard präventiver Konservierung? Was bedeutet Forschung im Mindestmaß? Gibt es eine, von allen Museen zu fordernde Ausprägung von „Kommunikation / Vermittlung“?

Im Kern ist die Museumsdefinition Tagungsthema, aber nicht als eine Liste möglicher Merkmale von Museen, sondern als Problem, Mindestmaße zu benennen, mit denen Definitionsbestandteile von allen Museen zu erfüllen sind. ICOM als Weltverband der Museumsfachleute schließt immer Meinungsvielfalt und verschiedene Traditionslinien ein. Das Bodensee-Symposium ermöglicht den Meinungsaustausch in einem gemeinsamen Sprachraum: Haben die Schweiz, Österreich und Deutschland dieselbe Vorstellung vom Mindestmaß der Museumsarbeiten? Wo liegen hier besondere Chancen und Gemeinsamkeiten?

Die „untere Grenze“ der Museumsdefinition geht alle Museen an, weil sie nicht nur von museumsähnlichen Institutionen abgrenzt, sondern auch Handlungsspielräume und Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigt – worauf verzichtet werden könnte, worauf nicht, welche Verzichtforderung unethisch wäre; in welchen Aspekten Schwächen liegen, die ausgeglichen werden müssen; welche Leistungen deutlich über dem Mindestmaß liegen und wie man diese Stellung ausnutzt.

Donnerstag, 21. Juni 2018

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Ort:

Zeppelin Museum Friedrichshafen
Seestr. 22
88045 Friedrichshafen

ab 10.00

Registrierung

11.00

Begrüßungen

Andreas Brand, Oberbürgermeister der Stadt Friedrichshafen
Prof. Dr. Beate Reifenscheid
, Präsidentin ICOM Deutschland
Madelaine Schuppli, Präsidentin ICOM Schweiz
Dr. Danielle Spera, Präsidentin ICOM Österreich

anschließend

Cross-Lines. Das Museum der Zukunft als Transferprojekt – am Beispiel der Neukonzeption des Zeppelin Museums
Dr. Claudia Emmert, Direktorin des Zeppelin Museums

11.45
12.45

Mittagessen

14.00

Panel 1: Outsourcing als Schritt über die ‚untere Grenze‘

Der nützliche Elfenbeinturm: Kooperation als Lösungsansatz
Prof. Dr. Antje Sander, Leiterin des Schlossmuseums Jever und Leiterin des Kulturverbunds Friesland

Konzepte bei Gründung oder Neueinrichtung - eine Überforderung für viele Museen
Elke Hartkopf, Geschäftsführerin der Concultura Gesellschaft für kultur- und kunstgeschichtliche Forschung und Präsentation mbH

Konservierung und Restaurierung Outsourcen löst viele Probleme - und schafft neue
Prof. Dr. Friederike Waentig, Professorin für Restaurierung und Konservierung an der Technischen Hochschule Köln

15.30

Kaffeepause

16.00

Panel 2: „… da waren es nur noch drei“ – freiwilliger Verzicht auf Museums-Kernaufgaben

Wissenschaftlich fundierte, aktivierende Vermittlung – sammeln und forschen können andere besser!
Dr. Rüdiger Kelm, Direktor des Museums für Archäologie und Ökologie Dithmarschen in Albersdorf

17.30

Panel 3: Registrierung, Gütesiegel: Was hilft über die ‚untere Grenze‘ hinweg?

Zwei Stufen, die helfen, sich auf den Weg zu machen: das Österreichische Museumsgütesiegel
Ruth Swoboda, Direktorin der inatura Erlebnis Naturschau in Dornbirn und Koordinatorin des Österreichischen Museumsgütesiegels

Impulse für die Museumsarbeit geben: das Museumsgütesiegel Niedersachsen und Bremen
Hans Lochmann, ist für den Museumsverband Niedersachsen und Bremen als Museumsberater tätig, Leiter der Arbeitsgruppe der deutschen „Standards für Museen“ und konzipierte das Museumsgütesiegel Niedersachsen / Bremen

anschließend

Führungen im Zeppelin-Museum

20.30

Empfang der Stadt Friedrichshafen

Begrüßungen
Andreas Köster, Bürgermeister und Kulturdezernent
Prof. Dr. Beate Reifenscheid, Präsidentin ICOM Deutschland

Ort: Graf-Zeppelin-Haus, Olgastraße 20, 88045 Friedrichshafen

Freitag, 22. Juni 2018

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Ort:

Zeppelin Museum Friedrichshafen
Seestr. 22
88045 Friedrichshafen

ab 08.00

Registrierung

09.00

Impuls: A shared museum definition within opposing, contradictory, uneven and contested trends (Englisch)
Dr. Jette Sandahl, Präsidentin des ICOM Committee for Museum Definition, Prospects, and Potentials

9.30

Panel 4: Die Museumsdefinition – von ihren Grenzen her gesehen

Moving Energies - wir wollen Jung und Alt für Kunst begeistern!
Julia Rust, Direktorin des me Collectors Room Berlin/Stiftung Olbricht

Das Unternehmensarchiv - Inspirieren, informieren, begeistern
Susen Friedrich, Senior Manager im History Management der Adidas AG Herzogenaurach

Universitätssammlungen: keine Museen, sondern Infrastrukturen für Lehre und Forschung
Dr. Cornelia Weber, Leiterin der Koordinierungsstelle für wissenschaftliche Universitätssammlungen in Deutschland, Humboldt Universität Berlin

11.00

Kaffeepause

11.30

Panel 5: Immer mehr Spezialwissen zur Museumsarbeit und die Grenzen des Machbaren

Dilettanten und der professionelle Anspruch – der Spagat
Peter Kerbl, Pensionist (ehem. Trainer von Führungskräften) und seit 2012 Obmann des Vereins Forum Hall, Bad Hall (Oberösterreich)

Spezialist*innen vs. Allroundtalente? Modulare, individuelle Aus- und Weiterbildung zur Museumsarbeit
Sonja Thiel, wissenschaftliche Koordinatorin von museOn | weiterbildung & netzwerk, Kuratorin an den Städtischen Museen Freiburg

Aufheben, klönen, da sein – am Fachdiskurs vorbei, aber mitten in der Diskussion?
Carolin Krämer, Doktorantin zum Thema ehrenamtliches Kuratieren in niedersächsischen Kleinstmuseen

13.00

Mittagessen

14.30

Blicke in die Welt: Kurzbeiträge

Kurzbericht aus ICME
Sylvia Wackernagel, Generalsekretärin des International Committee for Museums and Collections of Ethnography

Kurzbericht aus ICEE
Petra Rotthoff, Vorstandsmitglied des International Committee for Exhibition Exchange

Kurzbericht aus INTERCOM
Dr. Katharina Bechler, ständige deutsche Vertreterin im International Committee on Management

Lagertechnik unterstützt Risikoverringerung im Museumsdepot
Karsten Luckow, Bruynzeel Storage Systems

Herausforderung Museumskonzept – der Spagat zwischen Ansprüchen des Unternehmens und dem musealen Auftrag
Susanna Käpler, Robotron-Museum, Dresden

15.30

Kaffeepause

16.00

Wie gelingt Museumsarbeit zwischen Mindestmaß und Zielniveau?
Podiumsdiskussion mit:

Dr. Astrid Pellengahr, Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern, München
Dr. Corinne Linda Sotzek, Ernst-Göhner-Stiftung, Zug
Mark Hesslinger, Kunststiftung Hohenkarpfen, Hausen ob Verena
Otto Hochreiter, GrazMuseum / Vorstand von ICOM Österreich

17.30

Schlusswort

anschließend

Mitgliederversammlung von ICOM Deutschland

Abend

Empfang im Zeppelin Museum

Samstag, 23. Juni 2018

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10.00

Exkursion 1

Ravensburg

Museum Humpis-Quartier und Kunstmuseum Ravensburg
Treffpunkt 10.00 Uhr, Haupteingang Museum Humpis-Quartier, Marktstraße 45, 88212 Ravensburg
(Begrüßung Prof. Dr. Andreas Schmauder - Direktor Museum Humpis-Quartier und Ute Stuffer - Leiterin Kunstmuseum Ravensburg, ca. je 45 min Rundgang, selbstorganisierte Anreise), anschließend Apéro

10.30

Exkursion 2

Bregenz

Vorarlberg Museum
Treffpunkt: 10.30 Uhr, Foyer Vorarlberg Museum, Kornmarktplatz 1, 6900 Bregenz
(ca. 90 min, Museumsrundgang mit dem Museumsdirektor Dr. Andreas Rudigier, selbstorganisierte Anreise, anschließend Apéro und Gelegenheit zum gemeinsamen Mittagessen, Selbstzahler)

Kontakt

ICOM Deutschland e. V.
In der Halde 1
14195 Berlin
Deutschland
Tel. +49 30 69504525
Fax +49 30 69504526
icom@icom-deutschland.de
www.icom-deutschland.de