Vorträge

Prof. Dr. Friederike Waentig

Konservierung und Restaurierung Outsourcen löst viele Probleme – und schafft neue

In den letzten Jahren wurden immer mehr freiwerdende Stellen für Restaurierung und Konservierung in Museen nicht mehr besetzt und die verbleibenden Fachkräfte sind mehr und mehr mit Organisation und Management beschäftigt. Andererseits beschäftigt die Mehrheit der Museen seit jeher keinerlei Personal mit restauratorischer Kompetenz und vergibt diese Arbeiten an freie Restauratoren. Es ist unklar, wie die internen Entscheidungswege verlaufen, wenn Kompetenzen fehlen und möglicherweise auch die regionale Museumsberatung nicht unterstützend eingreifen kann: Die Restaurierungsdisziplinen haben sich ausdifferenziert, die Detailkenntnisse zur Konservierung sind deutlich angewachsen, der richtige "Zutritt" für Fachfremde wird deswegen immer schwieriger. Benötigen wir neue Generalisten oder benötigen wir neue Visionen? Neben der Erhaltung und für die Erhaltung spielt die Forschung eine Rolle, die immer mit und in Museen stattfindet. Dieser Fortschritt ist bedroht, wenn Museen Kooperation mit Hochschulen nur noch als Kosten sparende Restaurierungsaufgaben als Abschlussarbeiten verstehen und nicht mehr in der fachlichen Fortentwicklung mithalten wollen und können. Die fragliche "untere Grenze" zeigt sich als ein beiderseitiges Problem: Vielen Museumsverantwortlichen ist nicht klar, wie nahe sie den kritischen Niveaus sind; die Museen und die Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft stehen vor der Aufgabe, neue Organisationsformen oder Entscheidungswege zu entwickeln. Ein Blick in die europäischen Nachbarländer kann unter Umständen helfen, neue und alte Ideen zu diskutieren. Hier soll das Stichwort Museums-Restaurierungstechniker reichen. Des Weiteren müssen die in der Vergangenheit angewandten Methoden und Techniken der restauratorischen Praxis müssen evaluiert werden, um aktuelle Erhaltungsstrategien für die Museen und die Denkmalpflege zu erarbeiten und, mit diesem Rüstzeug ausgestattet, eine klare Vision für die Konservierungswissenschaft der Zukunft zu erhalten. Um die Entscheidungswege mit beeinflussen zu können, müssen Restauratoren lernen, deutlicher und öfter auch öffentlich zu sprechen, und ihre Anliegen klar vorbringen, die ja meist mit den Bedürfnissen der betreuten „Patienten" übereinstimmen.