Vorträge

Bodo-Michael Baumunk

Völkerfest und Mustersammlung. Wechselwirkungen zwischen Weltausstellung und Museum im 19. und 20. Jahrhundert

Wer im 19. Jahrhundert das Wort „Ausstellung“ verwendete, verstand darunter in erster Linie die Leistungsschau von Industrie- und Gebrauchsgütern mit den Weltausstellungen als absolutem Maßstab. Während deren Charakter sich durch die Aufnahme von Bildender Kunst oder Artefakten der Völkerkunde selbst veränderte, blieb kaum eine Spielart des im Entstehen begriffenen modernen Museums von den Impulsen jener epochalen „Culturbilder“ in London, Paris oder St. Louis unberührt. Selbst im Spannungsfeld zwischen universalistischem Anspruch und nationaler Rivalität angesiedelt, verpflichteten die Weltausstellungen den Museumsgedanken auf gesellschaftliche Zweckhaftigkeit mit Zukunftsperspektive. Ihre Ästhetisierung des Profanen entgrenzte die Museumswürdigkeit menschlicher Kulturleistungen.

Der assoziationsfreudige Blick des Publikums inmitten der anarchischen Warenlandschaft konnte frei über allen Konzeptionistenfleiß hinwegschweifen. So waren die Weltausstellungen als Prototypen kurzlebiger Eventkultur, von den Phantasmen der Dampfmaschinen-Ära bis zu den Utopien des 20. Jahrhunderts für das Museum als ein Ort der Dauer, Norm und Systematik stets schwierige Verwandte – zwischen Anregung und Bürde.

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